Forscher, Futuristen und Science-Fiction-Autoren beschwören die Chancen der bemannten Raumfahrt. Einst werden Astronauten sogar den Mars betreten, prophezeien sie. Alles Träumerei, dafür gibt es längst kein Geld mehr. Die Zukunft im All gehört Maschinen, nicht Menschen.
Die Welt liebte ihn nicht, diesen Präsidenten. Mit gutem Grund. Aber immerhin: George Bush hatte eine Vision. US-Astronauten, so forderte er im Januar 2004, müssten ihre Stiefel schon bald wieder in den Mondstaub rammen, und in den des Mars am besten nur wenig später: „In den vergangenen 30 Jahren hat kein Mensch eine andere Welt betreten oder sich weiter als 620 Kilometer von der Erde weg hinaus ins All gewagt“, ließ der Präsident wissen. Mit seiner „Vision for Space Exploration“ werde sich das ändern. Bei der Nasa tat man wie befohlen und legte das „Constellation“-Programm auf, das die gewünschten Flüge ermöglichen sollte.
Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends hätte zur Dekade werden können, in dem die Menschheit ihren kosmischen Entdeckergeist wieder erlagt. Doch tatsächlich ist sie das genaue Gegenteil. Sie ist die Periode, in der die Erdbewohner sich – zumindest für eine ganze Zeit – von der persönlichen Entdeckung ihrer kosmischen Nachbarschaft abgemeldet haben. Schuld daran sind je nach Lesart die exorbitanten Kosten oder ein Mangel an Visionen. Vielleicht auch beides.
Von Bushs hochfliegenden Plänen ist längst nichts mehr übrig: Bis 2020 wollte die Nasa zurück auf dem Mond sein, wo auch eine permanente Basis entstehen würde. Den Mars visierten die Amerikaner für das Jahr 2037 an. All das ist Makulatur, die Realität ist trist: Das Space Shuttle müssen die – in dieser Beziehung durch das „Columbia“-Unglück vom Februar 2003 endgültig desillusionierten – Amerikaner schon bald einmotten. Ob das wie geplant im kommenden Jahr sein wird, oder vielleicht doch ein paar Monate später, spielt keine Rolle.
